Weichgespült?

Weichgespült. Bisweilen waren das meine Beiträge. Friede, Freude, Eierkuchen. Neulich habe ich ein Blog gelesen und mir hat die klare Sprache gefallen. Und die deutlichen Aussagen bzw. Ansagen. Also gibt es heute einen Beitrag darüber, was in der Kinderwunschzeit und auch in der Zeit um die Adoption herum für mich wirklich beschissen gelaufen ist.

Kinderwunschzeit

Schon allein die Tatsache, dass man es nicht ohne Hilfe schaffen kann, ein Kind zu zeugen, ist enttäuschend und eine besondere Frechheit des Lebens. Der Rest ist auch nicht besser. Wer gibt schon über 500€ für ein Rezept in der Apotheke aus? Wenigstens gab es dafür einen praktischen roten Stoffbeutel. Die Hormone sollen den Körper dazu bringen, mehr Follikel als im natürlichen Zyklus zu produzieren. Das klappt so leidlich. Von 8 Follikeln lassen sich 4 Eizellen gewinnen. Nur eine davon lässt sich befruchten. Super. Lahme Spermien, faule Eier. Ich bin enttäuscht über mich selbst. Solche geringe Eizellausbeute hatte ich nicht erwartet. Ich habe das Gefühl, auch hier unzulänglich zu sein. Da hilft es natürlich richtig, dass eine Mitpatientin mit ihren zahlreichen Eizellen und der superduper Schleimhaut prahlt. Meine Güte, ist das eine Leistungsschau? Sowas will ich nicht. Also den von einer besonders empathischen Zeitgenossin angekündigten negativen Schwangerschaftstest abgewartet und die Welt im Großen und Ganzen verfluchen. Besonders „hilfreich“ sind Sätze wie „Vielleicht soll es einfach nicht sein.“, der Anblick schwangerer Frauen in ihrer Glückseligkeit, Babys und die Packung Tampons, die ich wieder aus dem Schrank holen muss. Und der schöne Spruch eines Süsswarenherstellers:“Was wäre Weihnachten ohne KINDER?“. Tja, beschissen?

Auch noch jetzt ärgert mich eines besonders: Frauen, die ohne größere Probleme ein oder mehrere Kinder bekommen haben und sich anmaßen, ein Urteil über Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zu fällen. Es hat niemand durch irgendetwas verdient, kinderlos zu bleiben. Die Qualitäten einer Mutter zeigen sich erst nach der Geburt. Sprecht sie uns nicht schon im Vorfeld ab. Es steht euch verdammt noch eins nicht zu, kluge bzw. besonders dumme Ratschläge zum Thema Empfängnis zu erteilen. Ich hätte mich damals gefreut, wenn irgendwer mich einfach mal nur gefragt hätte, wie es mir geht. Das ist nicht passiert. Keine Ahnung, warum. Es hätte mir geholfen. Diese simple Frage. Ein Zeichen der Anteilnahme.

Adoption

Als Adoptionsbewerber haben wir uns oft als Bittsteller gefühlt. Das ist vermutlich ziemlich subjektiv. Dennoch war es nicht einfach auszuhalten, dass es in der Hauptsache die Belange der leiblichen Mutter waren, um die sich gekümmert wurde. Mit unserem durch die lM verursachten Gefühlschaos waren wir allein. Ein monatelanges Hin und Her. Bloß nicht drängen, nur keine Entscheidung verlangen. Noch einen Tag länger im Krankenhaus? Kein Problem. Jaja, ich denke, ich habe in meinen anderen Beiträgen meine grundsätzliche Haltung zur leiblichen Mutter deutlich gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass ich jederzeit alle Aktionen gut gefunden habe. Unsere Nerven waren am Limit. Ich weiß nicht, wie wir das eigentlich damals halbwegs geschafft haben, ohne verrückt zu werden. Und dabei keine psychologische Unterstützung durch das Jugendamt. Warum gibt es sowas nicht? Ist es der „Preis“ für das große Glück, ein Kind adoptieren zu dürfen? Oder steht es Adoptionsbewerbern nicht zu, Hilfe einzufordern? Natürlich macht es keiner. Man will schließlich keine Schwäche zeigen, die einen dann als ungeeignet erscheinen lässt. Also immer gute Miene machen, auch wenn der Arsch voller Tränen sitzt.

Dann endlich ist das Kind da. Und es schreit. Abends, nachts, stundenlang. Was machen wir falsch? Lehnt es uns ab? Darauf sind wir nicht vorbereitet. Wir wissen, wie wir dem Kind später seine besondere Geschichte erklären und welche tollen Bücher es dafür gibt. Was wir nicht wissen: wie stellt man dieses Schreien ab? Warum schreit es nachts, sobald der Nuckel aus dem Mund rutscht? Die Nächte werden im Voraus zur Qual. Ich sitze heulend im Bett und frage mich, ob wir nicht doch ohne Kind hätten bleiben sollen.

Ich war keine Spur glücklich. Ich war überfordert und in jeder Hinsicht müde. Ich habe nur funktioniert. Wo bleibt diese Glückseligkeit, diese Verliebtheit, von der alle gesprochen hatten? Bin ich als Mutter eine Nullnummer? Sollte es deswegen nicht klappen? Warum bereitet einen niemand auf solche Momente vor? Weil nur die wenigsten Mütter den Mut haben, solche Gedanken laut auszusprechen. Dabei wäre es so hilfreich.

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Das Trauma der Unfruchtbarkeit

Nun habt ihr so lange nichts von mir gehört und dann komme ich gleich mit dieser Überschrift! Vorab: der Titel ist nicht von mir. Er ist eine Kapitelüberschrift aus dem Buch: „Frauenkörper – Frauenweisheit“ von Dr. med. Christiane Northrup. Heute soll es darum gehen, wie ich mich vom Wunsch nach einem leiblichen Kind und insbesondere einer Schwangerschaft verabschiedet habe.

Mit Anfang Zwangzig war ich, wie jede gesunde Frau, von meiner Fruchtbarkeit überzeugt. Ich machte mir überhaupt keine Gedanken, schließlich ist Kinderkriegen die natürlichste Sache der Welt. Dass diese Tatsache nicht für alle Frauen zutrifft, war nicht Teil meiner Wahrnehmung. Dass es dann in meiner damaligen Beziehung nicht klappen wollte mit dem Schwangerwerden beunruhigte mich auch noch nicht. Schließlich ging die Beziehung in die Brüche und ich war froh, dass nicht auch noch ein Kind daraus hervorgegangen war. Ein paar Jahre später ein neuer Versuch mit neuem Partner. Wieder nichts. Wieder machte ich mir keine Gedanken. Ich beendete gerade mein Studium und hatte wirklich andere Sorgen. Mehr aus Spaß sagte ich jedoch gelegentlich, dass ich vermutlich nicht eben die Fruchtbarkeit in Person wäre. Immerhin hatte ich bei der Pilleneinnahme immer mal wieder geschlampt, ohne dass es Konsequenzen gehabt hätte. Da gab es andere Frauen, die schon nach einmal Pille vergessen schwanger wurden. Oder so ähnlich.

Um es kurz zu machen: mit meinem Mann ging ich die Sache dann ernsthafter an. Ich beschäftigte mich mit Zykluskurven, Ovulationstests und so weiter. Und ich beruhigte mich: wenn man als Frau tatsächlich nur für so kurze Zeit im Monat fruchtbar ist, dann konnte es ohne Sex nach Plan ja gar nicht klappen! Naja, ich musste mir die Sache ein bisschen schön reden. Dass die meisten Frauen wohl ohne dieses ganze Theater schwanger werden, blendete ich aus.

Dann machten wir die sog. ICSI. Nach dem Transfer eines Embryonen fühlte ich mich tatsächlich halbschwanger. Ich wusste ja ganz genau, dass da ein kleines Fünkchen Leben in meinem Bauch war. In den ersten Tagen war das schön und mein Mann und ich zuversichtlich. Aber Zuversicht und Willenskraft reichen eben nicht aus. Und so merkte ich nach ein paar Tagen, dass ich wohl nichts mehr im Bauch hatte. Der Kontakt war weg. Da ich nicht zuviel auf mein buchstäbliches Bauchgefühl geben wollte, hoffte ich bis zuletzt. Bis zum Bluttest und dem endgültigen:“Es tut mir leid, Sie sind nicht schwanger.“ am Telefon.

Als ich diesen Schlag für’s erste verkraftete hatte, machten wir einen Termin beim Jugendamt. Das hatten wir uns schon vor der ICSI so vorgenommen und es tat tut, aktiv sein zu können. Mein Mann hätte schon zu diesem Zeitpunkt einen Strich unter das Thema ICSI machen können, aber soweit war ich noch nicht. Ich wusste, dass wir auf Grund meines Alters und letzlich auch der Finanzen nur noch einen Versuch hatten. Den wollte ich nutzen. Natürlich kam es anders. Ich wollte die ICSI unbedingt vor dem Adoptionsbewerberseminar durchziehen. Nachdem wir das Geld zusammen hatten, blieb uns dafür genau ein Zyklus. In den Osterferien. Auf der Arbeit alle im Urlaub bis auf eine Kollegin und ich. So wurde das nichts. Ich konnte nicht auch noch ausfallen. Also die ICSI abgeblasen und Plan B überlegt: eine ICSI im natürlichen Zyklus. Hierbei werden keine Eizellen im Überschuss produziert, sondern man nimmt ausschließlich das Ei, welches der Körper im Zyklus selbst hervorbringt. Da dies nicht von den Krankenkassen finanziert wurde, war nun auch mein Alter egal. Aber auch hier galt für mich: nicht während des Bewerberseminars! Also danach.

Nun saßen wir also im Adoptionsbewerberseminar und spürten, dass dies unser Weg ist. Wir waren wirklich ohne jeden Zweifel zuversichtlich. Und irgendwann haben wir beschlossen, dass es keine weitere Behandlung geben würde. Irgendwie war ich sogar erleichtert. Ich wollte nicht mehr über Zyklen, Follikel und Eizellen nachdenken. Und noch weniger wollte ich länger nur auf Gebärmutter und Eiersöcke reduziert werden.

Damit war aber mein Wunsch nach einem leiblichen Kind noch nicht abgeschlossen. Weiterhin fragte ich mich ständig nur nach dem Warum. Da ich religiös bin, fragte ich mich auch, warum Gott mir diese Last aufbürdet und vor allem wozu? Ohne mich zu fragen! Es war wirklich schwer Geduld aufzubringen, bis sich der Sinn dahinter zeigen würde. Wie es Andreas Bourani singt: „…Wenn der Sinn von allem sich nicht zeigt / sich tarnt bis zur Unkenntlichkeit / wenn etwas hilft mit Sicherheit, dann Zeit…“. Und tatsächlich wurde es besser. Auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt von unserem größten Glück nichts ahnten, geschweige wussten, so hatten wir doch ein Ziel vor Augen. Als eine Kollegin zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend ihre Schwangerschaft verkündete, so ließ mich das zwar in bittere Tränen des Selbstmitleids ausbrechen, aber ich war in dem Entschluss, keine Behandlung mehr zu machen, absolut sicher. Und so wusste ich, dass ich mich von (m)einem leiblichen Kind innerlich verabschiedet hatte.

Was lange blieb und nie ganz verschwinden wird, ist die Sehnsucht nach einer selbst erlebten Schwangerschaft und Geburt. Nie zu wissen, wie sich das anfühlt oder wie der eigene Körper die Geburt meistert, das fehlt mir schon. Eine zeitlang war da der Gedanke, es wäre schön gewesen, mit dem Frosch schwanger gewesen zu sein. Ihn von Anfang an bei mir gehabt zu haben. Aber auch dieser Gedanke ging vorüber. Ich habe meinen Frieden damit gemacht. Ich bin jetzt Mutter wie jede andere Frau auch. Man sieht es mir nicht an, dass ich eben ohne Schwangerschaft und Geburt Mutter geworden bin. Es spielt auch im Alltag keine Rolle mehr. Und es ist auch in Ordnung, dem Frosch zu erklären, dass er im Bauch einer anderen Frau gewachsen ist. Übrigens findet er das gerade ganz toll und guckt sich gern die Bauchfotos der leiblichen Mutter an. Er findet wohl den Gedanken witzig, dass er da drin war. Und ganz ehrlich: das macht mir wirklich nichts aus. Es ist rührend, seine Reaktion zu beobachten, aber mehr nicht…

Bilanz ziehen

Weihnachten steht vor der Tür und das Jahr 2015 ist fast vorbei. Dieses Jahr war national und international geprägt durch die sog. „Flüchtlingskrise“. Und natürlich durch die schrecklichen Anschläge von Paris. Das alles machte und macht nachdenklich. Wie mag die Zukunft wohl sein? Welchen Anteil hat jeder von uns daran? Viele Fragen, die aber auch bewirken, dass man nachdenkt über das Geschehen.  Dass man sich eine eigene Meinung bildet…

Für mich bedeutete dieses Jahr, das erste Mal Kind und Beruf unter einen Hut bringen zu müssen. Natürlich bedeutet das ein gewisses Maß an Stress: morgens eher aufstehen,  gleich bereit und ansprechbar sein. Nach Feierabend kommt quasi die zweite Schicht. Andererseits bedeutet die Arbeit für mich auch Abwechslung. Und auch geregelte Pausen,  in denen ich wirklich Pause habe! 🙂 Für den Frosch bedeutet es, in der Kita zu sein. Und es tut ihm gut. Er hat soviel gelernt in dieser Zeit.

Die Doppelbelastung bedeutet aber auch: noch weniger Zeit für uns als Paar. Es verlangt einem viel ab, neben dem Alltag für die Bedürfnisse des Partners da zu sein. Und nein, ich meine jetzt nicht Sex. :-). Aber es macht einen auch enger als Paar.

Im Rahmen unserer Adoption habe wir schöne Treffen gehabt. Den 2. Geburtstag des Frosches haben wir alle gemeinsam gefeiert. Durch die Taufe kannten sich ja bereits alle und so gab es keine Berührungsängste mehr.

Zum 1. Geburtstag hatte uns die leibliche Mutti Fotos aus den ersten Tagen im Krankenhaus geschenkt. Ein sehr schönes und sehr wichtiges Geschenk. Dieses Jahr habe ich die Fotos mit dem Frosch angesehen. Nun wundert er sich schon, warum er als Baby (das kann er nämlich schon zuordnen) bei einer anderen Frau ist. Es ist an uns, ihm seine Fragen gut zu beantworten.

 

1 1/2 Familie?

Nachdem aus dem kleinen Fröschlein mittlerweile ein kleiner Frosch geworden ist, dachte ich mir, es ist Zeit für einen etwas „erwachseneren“ Blog-Titel. 1 1/2 Familie deswegen, weil wir irgendwie genau das sind: unsere Familie plus die „halbe“ Herkunftsfamilie unseres Sohnes. Ich hoffe, euch sagt der Name ebenso zu, wie mir! 🙂

Dinge, die ich gern anders gemacht hätte:

  1. Ich hätte mich durchsetzen sollen im Krankenhaus, dass wir ein Familienzimmer bekommen. Oder zumindest dass man sich intensiv um uns gekümmert hätte. Ich war in dieser ersten Nacht mit dem Frosch überfordert und habe keinen Gedanken an Kuscheln auf nackter Haut zum Bindungsaufbau aufgebracht. Dazu wäre eine fachliche Unterstützung durch das Stationspersonal wichtig gewesen. Leider gab es in dieser Nacht nur zwei Kinderkrankenschwestern, keine Hebamme. Und die Schwestern waren zwar nett, aber sichtlich auch froh, nicht groß in ihren Routine gestört zu werden. Ich kann mir aber vorstellen, dass es auch für das Personal schwierig war, sich erst um die leibliche Mutter zu kümmern und dann plötzlich zwei fremde Personen als „neue Eltern“ behandeln zu müssen. Ich denke darüber nach, ob es Sinn machen würde, mit der Klinik in Kontakt zu treten und mit unserer Erfahrung zu helfen, dass man es bei künftigen Adoptiveltern anders macht.
  2. Ich hätte in den ersten Tagen zu Hause viel mehr einfach nur kuscheln sollen. Leider war ich viel zu sehr damit beschäftigt, halbwegs Routine in den Alltag zu bringen. Gut, mein Mann musste nach wenigen Tagen wieder arbeiten, auch nachts. Ich musste mich also organisieren. Das mit der Bindung hat dann trotzdem geklappt, aber eben erst nach ca. 2 Wochen. 🙂
  3. Ich hätte den Frosch tragen sollen. Naja, ich war sehr Kinderwagen fixiert. Das wollte ich doch immer: stundenlang Kiwa schieben. Und der Frosch war auch wirklich ein zufriedenes Kiwa-Kind. Trotzdem bilde ich mir ein, mit ihm im Tragetuch hätten wir manche Schreistunde besser „überstanden“. Aber meine Trageversuche kamen wohl zu spät. Mit ca. 6 Monaten konnte ich den Frosch nicht mehr daran gewöhnen. Sein Freiheitsdrang war zu groß. 🙂

Auch wenn das witzig klingt, so hat es doch auch etwas endgültiges. Denn mit ziemlicher Sicherheit wird es keine Wiederholung geben, wo ich alles so umsetzen könnte. Das macht mich manchmal sentimental. Andererseits möchte ich dem Frosch meine ganze Liebe geben und bin nicht traurig, dass ich sie nicht aufteilen muss/darf.

Die Taufe – ein ganz besonderes Familienfest für eine ganz besondere Familie…

Es ist nun schon eine Weile her, dass wir die Taufe des Frosches feiern konnten. Im Vorfeld war meine größte Sorge, wie der Frosch das Ganze über sich „ergehen lassen“ würde. Denn was er nicht kennt und was ihm nicht geheuer ist, das wird aus seiner Sicht auch nicht gemacht. Basta!

Für den Rest der Familie sorgte sicher etwas anderes für Aufregung und gespannt sein: unsere Familien würden nun die leibliche Mutter ihres Neffen und Enkel kennenlernen. Es war von Anfang an der Wunsch der leiblichen Mutter, bei der Taufe dabei zu sein. Diesen Wunsch erfüllten wir ihr gern. Ohne sie hätte es sich auch nicht komplett angefühlt. Dennoch wird der ein oder andere mit gemischten Gefühlen an den Tag heran gegangen sein. Und auch ich machte mir Gedanken, wie es sich wohl für die leibliche Mutter anfühlen wird.

Schließlich war es dann soweit. Nach einem höflichen Begrüßen allerseits ging es in die Kirche. Und der Frosch war wirklich wieder einmal toll. Er kundschaftete erst einmal alles rund um den Altar aus. Während der eigentlichen Taufe war er so neugierig, dass er sich am liebsten das Wasser selbst über den Kopf gegossen hätte. Der Frosch hat das Ganze so süß gemacht, dass ich zum Glück gar nicht dazu kam, die sonst üblichen Tränen der Rührung zu vergießen.

Nach der Kirche dann die Feier im kleinen Familienkreis und mit unseren Freunden, die uns tatkräftig unterstützt haben. Nun war auch der Zeitpunkt gekommen, dass unsere Familien ganz in Ruhe mit der leiblichen Mutter sprechen konnten. Was auch fleißig genutzt wurde. Die einen ganz unbefangen, die anderen abwartend. Mein Mann und ich nutzen die Gelegenheit und bedankten uns noch einmal für das Vertrauen, dass die leibliche Mutter in uns gesetzt hat, als sie uns den Frosch anvertraut hat.

Nach der  Feier berichtete insbesondere meine Schwiegermutter, dass es für sie wichtig war, die leibliche Mutter ihres Enkels kennenzulernen. Sie konnte ihr Fragen stellen, die ihr lange unter den Nägeln brannten. Zum Beispiel, ob sie es sich nicht vielleicht doch irgendwann überlegen und den Frosch „wieder haben“ wollen würde. Ich habe im Vorfeld gar nicht darüber nachgedacht, dass dieses Familientreffen der besonderen Art auch dazu dienen würde, Unsicherheiten und Fragen zu klären. Um so mehr wird wieder deutlich, welche Vorteile die offene Adoption haben kann. Und ich kann wirklich sagen, dass sich alles ganz natürlich und passend angefühlt hat. Es war zu keiner Zeit komisch, dass die leibliche Mutter dabei war. Sie ist nun auch ein Teil unserer Familie.

Wie ist es denn so mit Kindern?

Vor einer Weile wurde in einem Forum die Frage gestellt, ob man sich das Leben mit Kindern im Vorfeld so vorgestellt hat. Ich habe nicht lange überlegt und die Frage für mich mit einem klaren Nein beantwortet.

Ich glaube, ich habe mir im Vorfeld gar nichts vorgestellt. Und wenn doch, dann war es eine Mischung aus Waschmittel- und Milchpulverwerbung: ein sauberer, zufriedener Säugling, ganz in unschuldigem Weiß gekleidet, der lustig glucksend in den Armen seiner ebenso zufriedenen, weiß gekleideten und dezent geschminkten Mutter liegt. Beide natürlich in einem innenarchitektonischem Traum aus – genau – weiß.

Unsere (Säuglings-) Realität sah so aus: das Baby war zufrieden, solange es Nachschub aus dem Fläschchen gab. Ich war von dezent geschminkt Lichtjahre entfernt. An manchen Tagen war ich froh, wenigstens einmal den Weg ins Bad geschafft zu haben. Unsere Wohnung? Nunja, das ist eher jetzt ein Thema. Der Frosch hat eben einfach kreativere Ideen zum Thema Aufräumen.

Es stimmt schon, wenn einem im Vorfeld erfahrene Eltern sagen, dass man sich ein Leben mit Kindern erst vollumfänglich vorstellen kann, wenn man welche hat. Und selbst mit größtem Kinderwunsch gibt es immer mal Momente, wo man sich fragt: was habe ich mir nur dabei gedacht? Kinder kehren das Leben um und drehen es von innen nach außen und zurück. Man lernt sich und seinen Partner neu kennen. Man lernt seine eigene Familie neu kennen. Freunde kommen und gehen. Die Prioritäten ändern sich.

Wenn man die Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen muss oder wie wir ein Kind adoptieren möchte, muss man immer wieder die Frage beantworten: warum wollt ihr eigentlich (unbedingt) ein Kind? Ja, warum? Weil es dazu gehört? Weil es (für manche) der Lebensinhalt ist? So richtig konnte ich diese Frage nie beantworten. Ich habe es früher schon einmal geschrieben: ein Paar, das ohne weiteres leibliche Kinder bekommen kann, bekommt diese Frage auch nicht gestellt. Egal. Ich kann sagen, dass ich erst jetzt, mit Kind, weiß, was mir zuvor gefehlt hat. Unser Leben ist nun einfach komplett.

Wie es nun mit Kindern ist? Anstrengend, nervenaufreibend, verwirrend, beängstigend. Und wunderschön, erfüllend,überraschend, voller Liebe. Ein Feuerwerk der Emotionen. So ist es.